Wir haben uns kennengelernt und es war sofort klar. Wir beide, das passt. Das wird eine Freundschaft, das wird viel Spaß, viel Lachen, ein bisschen Weinen, viele Zigaretten, Alkohol und Kohlenhydrate (nicht die guten). Und so wurde es auch, erstmal. Nach einer Hochphase der Gefühle ging es über in eine Freundschaft, in der man wusste, dass der andere da ist, aber auch mal genervt war, mal aneinander geriet, ein bisschen jedenfalls, dann aber wieder viel geteilt, sich gedrückt, sich verbunden gefühlt wurde. Und dann plötzlich, oder auch nicht so plötzlich, vielleicht sogar schleppend, war da gar nicht mehr so stark das Bedürfnis nach der anderen Person. Nett, freundlich, der ein oder andere Insider-Joke und wissende Blicke, aber auch ein Schweigen, ein sich-nicht-mehr-viel-zu-sagen-haben. Getrennte Wege, verschiedene Städte, Funkstille. Und es ist okay. Es heißt nicht, dass die Freundschaft nicht echt war. Es heißt nicht, dass die Erinnerungen schmerzen müssen. Es war eine durchwachsene Zeit für uns beide, mit vielen Höhen und einigen Tiefen, die wir gemeinsam oder wenigstens nebeneinander erlebt haben. Wir haben uns gebraucht, und wir haben uns gehabt. Und irgendwann haben wir uns nicht mehr gebraucht. Haben uns verändert. Das ist in Ordnung. Manche Freundschaften haben Ablaufdaten, aber das macht sie nicht weniger wahr und wertvoll.

Als ich 2010 mit dem Bloggen anfing, hatte ich keine Ahnung, was passieren wird. Ich hatte nicht den leisesten Schimmer davon, wie sich die ganze Bloggerwelt entwickeln würde. Ich wusste nicht einmal, dass man Geld verdienen kann mit einem Blog. Plötzlich tat ich das aber. In den letzten 7 Jahren als Blogger ging es aber nur dann wirklich um das Geld, wenn das Ende des Monats lauerte und mein (anderer) Studentenjob nicht ausgereicht hat. Wenn ich auf die letzten Jahre als Blogger schaue, bin ich fassungslos, wie viel ich erleben durfte und wie viele Menschen ich kennenlernen konnte. Neben unzähligen Kontakten und Einblicken in Agenturen und Unternehmen, unzähligen Samples und unglaublich schönen Kooperation neben katastrophalen E-Mail-Auseinandersetzungen, bin ich insbesondere dankbar dafür, sehr gute Freunde gefunden zu haben. Niemals hätte ich gedacht, dass ich über meinen Blog Mädchen kennen lernen würde, mit denen ich mittlerweile gute 5 Jahre befreundet bin und die ich mir in meiner Zukunft nicht wegdenken möchte. Ich weiß aber auch, dass diese Freundschaften schon lange über die Gemeinsamkeit des Bloggens hinausgehen und ich sie schon lange nicht mehr damit verbinde.

Jetzt, wo ich einen Vollzeitjob habe, der mit 40 Std./Woche (leider) nicht auskommt, bleibt wenig Zeit zum Bloggen. Während meines dualen Studiums und während des Praktikums in New York war es ähnlich. Viel Arbeit, wenig Zeit. Es gab aber zwei grundlegende Unterschiede. Erstens war mir das Vorankommen im Job damals nicht so wichtig. Ich war noch „in der Ausbildung“, der Fokus lag auf dem Studium an sich. Jetzt habe ich einen Job, in dem ich gut sein will, in dem ich voran kommen will und der so viel mehr Verantwortung und eine viel größere Anforderung mit sich bringt, als alles andere zuvor. Mein Fokus liegt zu 100% auf diesem Job. Das war vorher anders, da lag mein Fokus stark auf dem Blog. Zweitens hat mir das Bloggen früher extrem gefehlt, wenn ich in Nebenjob oder Studium stark eingebunden war. Bloggen war nicht nur mein Nebenjob, sondern in erster Linie ein Hobby, ein Ausgleich, mein Ventil. Mittlerweile brauche ich das nicht mehr so sehr. Ich finde den Ausgleich in Sport und in meinen Freunden, das Schreiben, Fotos machen und Kreieren fehlt mir kaum. Und daher nehme ich mir auch nicht die Zeit dafür. Meine Prioritäten haben sich verschoben. Und das ist okay.

Mein Blog und ich, eine tiefe Liebe, mein Baby, mein eigener Ort. Vieles hat sich verändert. Jeder spricht von Influencern, jeder richtet seine Aufmerksamkeit auf Instagram, kaum jemand nimmt sich die Zeit, Blogs zu lesen. Ich auch kaum noch. Und auch das ist okay. Dinge verändern sich. Zeiten verändern sich. Menschen verändern sich. Und so wie die Freundschaft irgendwann überflüssig war, obwohl sie einem vorher viel gegeben hat, ist vielleicht auch mein Blog irgendwann nicht mehr notwendig für mich. Bis vor ein paar Monaten habe ich neben den regelmäßigen Blog-Beiträgen zwei Bilde pro Tag (!) auf Instagram gepostet. Jetzt bin ich so bei zwei Bildern pro Woche. Einfach so.

Der Trennungsschmerz wird weniger, wenn die Trennung langsam verläuft. Ich sage nicht, dass es vorbei ist, zwischen diesem Blog und mir. Ich stelle nur fest, dass ich ihn nicht vermisse. Dass ich andere Dinge bevorzuge und dass ich nicht unendlich viel Zeit und Kraft habe, um auch hier noch hochwertigen Content zu liefern. Es ist ganz offen, wie es hier weiter geht. Meine Gedanken dazu aufzuschreiben, hat mir viel gebracht und auch Spaß gemacht. Denn natürlich ist das Schreiben noch immer meine Leidenschaft. Natürlich lassen einen 7 Jahre Blogger sein nicht auf einmal gehen. Ich habe mich nur verändert.

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3 Comments

  1. Danke für diese ehrlichen Worte! Ich mag deinen Blog sehr, aber kann auch verstehen, wie es dir gerade ergeht.

    Alles Liebe,
    Fee

  2. Wow! Einfach wunderschön geschrieben!
    Mir geht es im Moment ähnlich 🙂 Zwar nicht weil mich der Job erfüllt, aber weil ich so viel anderes im Leben habe, das mir viel mehr Freude macht und mich erfüllt.

    Instagram ist nur noch eine Werbe- und Selbstpräsentationsplattform, worauf ich im Moment irgendwie immer weniger Lust habe. Denn in erster Linie mache ich es aus Spass, aber der vergeht mir mehr und mehr, wenn ich Menschen sehe, die Lachend irgendein Produkt in die Kamera halten und damit super viel Geld verdienen.

    Manchen gefällts, aber ich merke, dass dieses oberflächliche Getue mich immer weniger interessiert…

    Aber ich denke das ist ok, die Welt verändert sich und so verändern wir uns…

    Ich wünsche dir Alles GUTE <3

    Liebe Grüsse
    Michaela

  3. Nur Liebe! Denn unsere Freundschaft ist viel mehr als das und ich kann mir eine Zukunft ohne dich auch nicht vorstellen! <3

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